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Mehr Licht!

Mehr Licht! SmallSlam Poetry von Wortverliebt

Mehr Licht!
Drück den Schalter-ich will mehr Licht!
Sodass die Wahrheit ans Licht kommt und ich den Durchblick habe
im Schwarzlicht-Blaulicht-Rotlicht-Viertel dieser Welt,
aus dessen Farben ich mir eine schöne Lichterkette bastel,
die an meinem Hals schöner schimmernd als das Nordlicht.

Mehr Licht!
Sodass ich am hellichten Tag ins falsche gerate,
dabei aber nicht über die Lichtschranke stolper,
wenn ich vorsichtig versuche,
die Dinge wieder ins richtige Licht zu rücken,
ohne es zu brechen!

Mehr Licht!
Damit ich auch das am Ende des Tunnels nicht übersehe,
auf das alle hoffen und lichtdicht darauf zutorkeln,
wobei sich einige verirren,
weil sie ihr Augenlicht auf der Lichtung verlieren
oder ein Lichtjahr zu spät sind!

Mehr Licht!
Damit ich die Welt in einem anderen erblicke,
nachdem ich ans Licht geführt wurde
und die Erleuchtung im Lichtschatten suche,
der lichtempfindlich scheu scheint.

Mehr Licht!
Damit ich im Mondlicht schwimme, im Sonnenlicht bade,
und mich beim Blitzlichtgewitter unterstelle,
damit mich die Lichtgeschwindigkeit nicht einholt
und mich lichtempfindlich zurücklässt!

Mehr Licht!
Sodass dir eins aufgeht und du mir grünes gibst
und wir gemeinsam rosarot sehen und nicht schwarz.
-dabei weiß leuchten im UV-Licht-

Mehr Licht!
Damit mich die Lichtschranke nicht aufhält
und ich im Rampenlicht stehe,
sodass du mich endlich siehst
und ich für dich in einem anderen Licht erscheine!

Mehr Licht!
Damit du eine Erleuchtung hast und
wir -wie zwei Motten- gemeinsam um das Licht kreisen
mit Lichtschutzfaktor 50 eingeschmiert,
damit wir nicht lichterloh aufleuchten und erlischen!
Drück den Schalter-ich will mehr Licht!

Lichterfüllte Lichtblicke!
Ein Lichtermeer aus Teelichtern!
Damit ich nicht mehr im Dunkeln stehe
und tanzend am Lichtspiel teilhabe!

© 2011 Wortverliebt

Lieblingsshirt

SmallSlam Poetry von Wortverliebt

Lieblingsshirt

Du gehst durch die Stadt,
trägst dein Lieblingsshirt stolz,
hast viel investiert um es dein Eigen zu nennen.

Es hat genau das, was dir gefällt, die Farbe, der Aufdruck
- es steht dir und passt wie angegossen.

Ziellos schlenderst du durch die Straßen, genießt den Moment,
die Anonymität der vielen Gesichter, die deinen Blick streifen bis du vor einem Schaufenster stehen bleibst.

Ein Shirt springt dir sofort ins Auge, der Schnitt, die Ausstrahlung -es zieht dich an. Auch wenn du weißt, dass es dir nicht so gut stehen wird wie deins, wächst der Drang es anzuziehen- nur ein Mal!

Jedoch besitzt du kein Geld mehr, da du es für dein Lieblingsshirt ausgegeben hast. Anstatt weiterzugehen, den Drang zu ignorieren und zufrieden zu sein, mit dem was du hast, klaust du es- zu groß war die Versuchung.

Ohne Schuldgefühle ziehst du es an, genießt die Aufregung, das Neue und die neidischen Blicke – nur für einen Abend, bevor es in deinem Schrank landet und du wieder dein Lieblingsshirt hervorholst!

Copyright Wortverliebt 28. Juli 2011

Worauf wartest du?

Warten. Ich warte. Ich warte, bis die Ampel auf grün wechselt, denn das ist meine Lieblingsfarbe.

Pisa-Turm

Bis der Turm von Pisa aufrecht steht

Ich warte darauf, dass das Ei fünfminütig weich wird. Ich warte auf ein Zeichen, eine Note, eine Bestätigung, einen Bus, den Bescheid, den Brief, den Zug- auf die Deutsche Bahn! Wieder warte ich. Ich warte mir die Füße in den Boden. Auf dem Boden der Tatsachen. Welche Sachen ich machen würde, wenn ich nicht wartend im Wartesaal warten würde, wäre warten. Warten bis die Sonne fällt, das Kind weint, weil der Regen scheint. Ich wate im Wattenmeer auf wandernde Seemöwen und trottende Tauben. Ich erkenne eine Taube, die sich Gehör verschaffen will und dann von dannen zieht. Sie fliegt . Ohne mir zurückzuwinken, schaut sie zurück, um mir zuzuzwinkern.

Ich warte auf mein Essen in der Bar auf mein Bier. Und warte, dass ein Tor jubelt und ein Fan fällt. Ich warte bis der Fahrstuhl mich in den Keller fährt. Und ich die Welt von unten sehe und warte bis der Fahrstuhl wiederkommt, denn im Keller sieht man einfach nichts. Ich warte auf bessere Sicht. Daher fahre ich nach oben. Alles Gute kommt von oben. Ich warte.

Ich warte auf dem Dach, auf die Pizza, die Bestellung, die Sendung, die Feier, die Segnung, die Prüfung, die Abschaltung, die Abwahl, das Urteil, den Bogen ohne Regen, den Bruch mit der Regel, das Boot ohne Segel, den Ausbruch ohne Wut. Wut tut gut. Ich warte bis ich mich beruhigt habe und nehme meine Pillen. Aber ich warte weiterhin. Des Wartens Willen. Weiterhin warte ich auf Frieden in der Welt, warte bis der Turm von Pisa aufrecht steht, mit der Studie es wieder besser geht, die Uhr, der Zeiger ohne Sinn sich dreht. Lange warte ich schon. Ewig lange, dass Lisa im Louvre lacht und Mona ihre Faxen macht. Wenn Schweine warten würden, dann darauf gerettet zu werden oder darauf Flügel zu bekommen, um weit weg zu fliegen und fortan fort zu sein- an einem fernen Ort. Der Ort ist hier. Der Ort ohne Mett, Fett und Speck vom Schwein. Der Ort, wo sich das Warten oder Waten im Watt lohnt. Die Taube auch mich versteht, sich im Flug zu mir dreht und mir ein Augenzwinkern zuwirft.

Ich warte. Ich warte bis es grün wird. An deiner Haustür darf ich weiter warten. Warten warten. Und ja, ich warte auf dich.