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Ticket ins Grauen

Inhalt

Jason und Rob sind beste Freunde und gehen gemeinsam mit Ciara und
Betsy Ciaras Freundin auf den Rummelplatz .
Jason ist heimlich verliebt in Ciara verschweigt es aber aus
Rücksicht mit seinem besten Freund Rob.
Ciara ist hin und hergerissen weil sie Jason schon lange kennt und
sich ebenfalls in ihn verliebt hat.
Doch auch sie will ihre Gefühle nicht , weil Betsy ihre Freundin
prahlt ,sie sei mit Jason ein Paar.
So gehen also die vier zum Rummelplatz und bestaunen die neueste
Attraktion die Achterbahn Future World. Sie sah wie eine D-Zug aus und
sauste fast geräuschlos über die Gleisen.

Jason der ein richtiger Achterbahn Freak ist hat plötzlich ein
ungutes Gefühl bei dieser Attraktion und eine schaurige Vision holt
ihn heim.
Doch seine Freunde überreden ihn und er nimmt zögernd die Fahrt an.
Doch nichts passiert beim 1 .Mal und Jason hält die Vision für eine
Einbildung und steigt auch beim 2.Mal ein.

Doch diesmal wird die Fahrt zum Alptraum.
Ein Waggon entgleist und stürzt in die Tiefe der 2. Waggon droht alle
anderen Waggons in die Tiefe zu reißen.
Die Bügel gehen plötzlich nicht mehr auf….Verletzte und Tote
hängen in den Bügeln fest….

Hilfe ist nicht in Sicht.

Jason und Ciara haben den Tod vor Augen als sie hilflos in ihren
Gurten sitzen …..es wird ein gnadenloser Wettlauf mit der Zeit…..

1.Kapitel

„Jack…mach schon …wir haben nicht viel Zeit…“ Der
Vorarbeiter schaute ungeduldig auf die Uhr.Sie waren mit dem Zeitplan
im Verzug.
Das Gerüst für die neue Attraktion muss bis morgen fertig aufgebaut
sein.
Jack keuchte und Schweißtropfen rannen ihm in kleinen Bächen den
Hals hinunter.Es war sehr schwül ein Blick zum Himmel verriet ,dass
es höchstwahrscheinlich noch eine Sturmfront im Kommen war…
Hastig drehte er die Schrauben ein.Im Gedanken war er schon bei seiner
Familie ..endlich nur noch eine dieser verdammten Schrauben.
Endlich….ächzend erhob er sich wieder und dachte an die
Sicherheitskontrolle.Die musste er wohl auf morgen verschieben…es
fing gleich an zu regnen.
„Wo bist du denn Jack…verdammt noch mal.“ ertönte die
ungeduldige Stimme vom Vorarbeiter.“Alle sind schon fertig…nur du
machst noch ne Extrastunde.. „

Jack packte hastig seine Werkzeuge zusammen und warf noch einen kurzen
Blick auf das monströse Gerüst der neuesten Attraktion.
Es war eine Achterbahn im futuristischen Stil .Ähnlich wie ein D-Zug
soll sie mit rasanten Tempo über die Loopings rauschen.
Für dieses Gerüst waren sie mit fast 2 Wochen im
Zeitrückstand.Morgen Abend war die Eröffnung.
Die Sicherheitskontrollen mussten eben biss morgen waren.

Der Regen prasselte die ganze Nacht mit unverminderten Geschwindigkeit
auf das Geländer. Windböen zerrten an dem Gerüst …eine der
Schrauben war etwas lockerer und der Sturm rüttelte unentwegt daran.

Am nächsten Tag legte sich der Sturm ….die Gewitterfront verzog
sich und die Sonne blinzelte aus den Wolken.
Jack beeilte sich zum Achterbahngerüst,er wollte die letzten
Sicherheitsprüfungen noch durchgehen….
„Jack…komm mit…der Chef ruft.“ Vorarbeiter Kelly winkte ihn
ungeduldig her.

Hektik machte sich breit. Der Chef trommelte alle zusammen und gab
Anweisungen .
„Der Sturm hat das Karussell umgeworfen. Wir haben nicht mehr viel
Zeit um es wieder aufzubauen.Also an die Arbeit.“
In dem ganzen Trubel dachte niemand mehr an die Sicherheitskontrollen
bei der Achterbahn Future ….

„Jason….es hat geklingelt. Machst du bitte auf.?“
Moms Stimme riss ihn aus seiner Gedankenwelt.Er war gerade so
beschäftigt mit dem neuen Computerspiel dass er sich mühsam von
seinem Lohn gekauft hatte.
Es war ein eine Simulation über Achterbahnfahrt und man musste
Hindernisse ausweichen…
„Ja Mom…“ mürrisch erhob er sich und legte das Gameboard zur
Seite.

Rob war an der Tür..
.“Mann …wieso geht’s du nicht ans Handy ?“
„Habs nicht gehört..Du das Spiel ist so geil.“ Jason zeigte auf
seine Zimmertür…und versuchte Ciara die sich bei Rob eingehakt hat
nicht weiter zu beachten.
Seit sie mit Rob zusammen war sprachen sie nicht mehr viel
miteinander.
„Ich ….äh wir…“Rob zeigte grinsend zu Ciara wollten fragen ob
du nicht Lust hast mitzukommen auf den Rummelplatz.“
Jason warf einen schnellen Blick auf Ciara…war das ihre Idee?
Ciara erwiderte ihn lächelnd :
„.Meine Freundin kommt auch mit .Du weißt doch ….Betsy..“
fügte sich in einem leichten ironischen Ton zu.
Sie wird doch nicht etwa eifersüchtig sein?
Hastig verwarf Jason den Gedanken.
Als Kinder waren sie mal ein Pärchen gewesen .So was wie die erste
Liebe…aber mehr als ein schlabbriger nasser Kuss war nicht gewesen.
Und jetzt …jetzt war sie mit Rob seinem besten Freund
zusammen….zumindest dachte er das….
Seitdem waren sie beide irgendwie auf Kriegsfuß. Früher verstanden
sie sich wie eineiige Zwillinge aber jetzt….jetzt gab es sofort
Streit wenn sie sich sahen.
Nun er fackelte nicht lange und flirtete ein bisschen mit Betsy die
Freundin von Ciara.
Er wusste das Betsy schwer verliebt war in ihm…aber er…er wollte
eigentlich nur Ciara eifersüchtig machen.
Mit Betsy war er eigentlich nicht zusammen ,aber sie galten in der
Clique schon als Paar.
Er überhörte also den ironischen Ton von Ciara und widmete sich den
Spiel zu.
„Rob …dieses Spiel ist klasse….diese Achterbahn ist ne
Wucht…das muss du ausprobieren mann!!“
Und er warf Rob das Gameboard zu.
Ciara warf ihm einen bösen Blick zu.
„Was soll das Jungs….gehen wir jetzt auf die Kirmes oder
verbringen wir die Zeit mit idiotischen Spielen..???“
Dabei starrte sie Jason an ..und er erwiderte den Blick ebenfalls
wütend zurück.
„Was habt ihr jetzt schon wieder „
Rob rollte genervt mit den Augen und schnaubte gereizt.
“Könnt ihr wenigstens nicht für eine Minute vertragen.Früher
waren wir ein super Clique…!“
Rob schaute in die Runde abwechselnd zu Ciara und zu seinem Freund
Jason.

Ciara und Jason widmeten sich keines Blickes und taten so als ob der
andere Luft wäre.
In diesem Moment klingelte Ciaras Handy und erleichtert griff sie
danach und verließ das Zimmer.
Schweigend saßen Rob und Jason vor dem PC.
„Wieso zickt ihr euch dauernd an…ich meine früher seit ihr die
besten Freunde gewesen.“
Jason zuckte nur schweigend die Schultern und starrte auf den
Bildschirm .
Wie sollte er seinem besten Freund erklären dass er auf diese Braut
stand.?
Sie war seine Traumfrau ..und bereute es zutiefst dass er ihr nie
Avancen gemacht hatte. Rob ist ihm zuvor gekommen.
Aber er wollte Robs Freundschaft nicht aufs Spiel setzen.Sie waren
beste Freunde und kein Mädchen soll sie auseinanderbringen.
Schon gar nicht diese dumme Tussi Ciara.
„Nichts!.“ knurrte er nur und schnappte sich eine Zigarette und
zündete sie an.
„Also …was ist….kommst du jetzt mit zur Kirmes??“
Rob erhob sich und ließ die Fingerknöchel knacken und betrachtete
seine Bizeps im Spiegel.
„Wetten da gibt’s heiße Girls…komm schon Jason…oder wie wärs
mit …Betsy???“

2.Kapitel

Der Rummelplatz gab es das ganze Jahr …und Jason fuhr Achterbahn
seit seiner Kindheit.
Aber jedes Jahr wurden immer eine neue Attraktionen vorgestellt .So
auch dieses Jahr …eine futuristische Achterbahn mit dem neuesten
Hightech.
Eine lange Schlange zeigte wie heißbegehrt die neueste Attraktion
war.Die Achterbahn fuhr fast ununterbrochen …
Alle vier sahen staunend zu dieser Achterbahn die geräuschlos wie ein
D-Zug dahinglitt.
Das ganze Gerüst sah gefährlich hoch aus.
Auf dem Schild war zu lesen dass dies die höchste Achterbahn der Welt
war mit über 60 Meter Höhe.

„Los….auf was warten wir noch…!!!“ schrie Rob und breitete
übermütig die Arme aus .Ciara und Betsy waren ebenfalls begeistert
und bestaunten die rasante Fahrt aus über 60 Meter Höhe.
Die Lichter gingen bald an und die Loopings erstrahlten im
fantastischen Glanz.Eine losgelöste Stimmung lag über die Kirmes…

Jason starrte auf die Achterbahn …und plötzlich lief ihm ein
eiskalter Schauer über den Rücken.
Vor seinen Augen schrien die Menschen plötzlich auf vor Schmerz und
Angst.Wildes Chaos brach aus…..Menschen flogen wild fuchtelnd durch
die Luft und krachten auf die umliegenden Straßen…es war wie in
einem gutgemachten Horrorthriller.
Jason brachte kein Ton heraus….er wollte nach Rob und Ciara
rufen….doch wo waren sie?
Um ihn herum nur schreiende Menschen die panikartig durch die Gegend
rannten .
„Ciara..“ er bebte vor Angst…er sah sie hilferufend in einer
diesen Waggons .Die Achterbahn fuhr leer….nur sie rief und rief
seinen Namen .

Eine Hand packte ihn an der Schulter…und Jason schnellte herum….
.“Alles ok…Jason?“
Ciara sah ihn fragend .
„Äh …ja….“ stotterte Jason verwirrt und schaute sich hastig
um.
Alles schien normal….Menschen schlenderten lachend vorbei,
Begeisterungsrufe erschallten von der Achterbahn herunter.
Ein Blick auf die Achterbahn…..nichts….alles wie immer.

Sein Blick wechselte zu Ciara…..die ihn seltsam ansah.Für einen
Moment verweilte er in Ciaras wunderschönen dunkelbraunen
Rehaugen….
„Jason ..hat so viel Auswahl hier an rassige Girls…..dem wird’s
ganz schwindlig stimmts?“..
Rob kam dazu und klopfte Jason lachend auf die Schulter.
Ciara wandte sich ruckartig ab und betrachtete die Glanzlichter die
von der Loopings erstrahlten.

Als sie in der Schlange standen vor der Attraktion…beschlichen Jason
erneut Zweifel.
Irgendwie ließ ihn diese Szene vorhin nicht mehr aus dem Kopf.
„Rob….ich weiß nicht ob das ne gute Idee ist…“ er drehte sich
zu Rob um..
.Rob warf Ciara einen amüsierten Blick zu und äffte Jason nach.
„Lass es sein Rob ok!“ Ciara wandte sich wütend von ihm ab und
suchte den Blick zu Jason.
Doch der hatte sich wieder umgewandt und starrte düster auf die
Loopings.
Er hatte die Schnauze voll….die ganze Stimmung war weg
.Und diese beide Turteltauben noch zuschauen …ne .Jason schüttelte
wütend den Kopf.
Abrupt drehte er sich um und scherte aus der Schlange raus.
„Hey Jason verdammt wo gehst du hin? „
Rob packte ihn an der Schulter und zog ihn zu sich her. „Das war
Spaß ,,,mann.Seit wann verstehst du keinen Spaß mehr.?“ und er
boxte ihn freundschaftlich .

„Lass mich in Ruh mann.“knurrte Jason und schüttelte ihn ab. Rob
warf einen prüfenden Blick auf ihn.
Seltsam …so kannte er ihn gar nicht.Was war nur los mit ihm?
Jason wich seinen Blick aus.
Wie konnte er den ihm erklären ,was er für Ciara empfand.?
„Rob …“ doch bevor er weitersprechen konnte kam Betsy und
umarmte Jason überschwänglich.
„Da bist du ja….ich dachte du wärst in der Schlange? Willst du
nicht diese Achterbahn ausprobieren?“ sie sah ihn fragend an.
Jason warf einen Blick zu Ciara die ihn auswich und über ihn hinweg
sah.
Dann dachte er wieder an diese seltsame Bilder …der Angstschauer als
er diese Looping betrachtete…
„Sag bloß du hast Angst?“ Betsy kicherte und sah zu Ciara rüber
die sich gerade mit Rob unterhielt.
„Nein….aber meinst du nicht ….“ er brach ab .Das klang erst
recht nach Weichei.
Nein ..er musste sich in die Schlange einreihen…er konnte diese
Bilder keinen erklären .Rob ,Ciara ….Betsy …alle würden ihn für
verrückt erklären.

Doch als er sich wieder in die Schlange einreihte….lief ihm wieder
ein Angstschauer über den Rücken….und plötzlich kam ihm diese
Loopings…ja die ganze Achterbahn bedrohlich vor…
„Rob….ich ….ich weiss nicht…ich meine wenn was passiert??“
Rob sah ihn an…..und brach in Lachen aus….
.“Sag mal Kumpel…was ist nur los mit dir heute..? Erst zickst
herum…jetzt fangst auch noch an zu kneifen…“ er schüttelte sich
vor Lachen und zog Ciara zu sich her.
„Ciara…schau dir das Weichei an…“
Jason spürte die Röte ins Gesicht steigen und machte auf cool.
„Nee mann …ich hab keine Angst.!“
Scheiß auf diese seltsamen Bilder vorhin…..war bestimmt nur eine
blöde Einbildung.Vielleicht hat er zu viele Horrorfilme
angeschaut….

Als sie endlich in einem Waggon saßen ….kroch wieder dieser
seltsame Angst in ihm hoch..
.Erneut tauchten Bilder von schreienden Menschen vor ihm
auf……seine Kehle wurde trocken und er brachte nur ein heißeres
Räuspern heraus.
Rob und Ciara saßen vorne während er und Betsy eine Reihe hinten
saßen…
.Ein paarmal meinte er Ciaras Blick zu sehen als sie den Kopf ein paar
Male umdrehte.
Aber das konnte auch Einbildung sein….Jason schüttelte den Kopf und
versuchte sich zu entspannen.
Mist…fluchte er…dass er nicht näher bei Ciara Platz gefunden
hatte….eigentlich wollte er natürlich ganz unbemerkt ,neben ihr
Platz nehmen.
Völlig zufällig natürlich…
Aber nein….er und Betsy saßen sogar 2 Reihen entfernt im Waggon.

Die Fahrt ging los…..alles lief ganz normal….
Jason achtete auf irgendwelche Zeichen…aber…nichts…Also war das
doch alles nur eine blöde Phantasie…
Jason schnaubte …er bereute es zutiefst …das er vorhin Angst
gezeigt hatte.
Oh mein Gott er hatte sich so blamiert vor Ciara….gerade vor
ihr….
Betsy plapperte irgendwas an ihm hin…doch das berührte ihn nicht
,…seine Gedanken waren nur bei einer Frau….Ciara..
Was sie jetzt wohl machte…?
Nichts sehnlicher wünschte er sich jetzt neben ihr zu sitzen und
diese Fahrt gemeinsam genießen.
Plötzlich schlenkerte der Waggon…
Jason erstarrte vor Angst…..passiert jetzt irgendwas?

© Simone Kaplan

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Sie mag mich (3)

Ich stellte mir vor, wie ich genüsslich, selbst wenn es keine Apfelschorle mit Cassis Flavor war, die eisgekühlte Flasche öffnete und sie an meinen vor Durst sabbernden Mund führte, als ich in diesem Moment das Einwerfen einer Münze vernahm. Hektisch zog ich meine Hand heraus, aber längst hatte der Transportschlitten sich in Bewegung gesetzt und meine vier Finger der rechten Hand erwischt.

Da ich nicht richtig erkennen konnte, wer das Geld eingeworfen hatte, bin ich erstmal davon ausgegangen, dass sie es war. Ich steckte fest. Ich steckte in der Klappe des Getränkeautomaten fest und verlor immer mehr die Geduld, als ich dann den Namen des Täters heraushörte.

“Heinrich, du Vollidiot! Siehst du nicht wie er gerade dabei ist sich die letzte Flasche zu ziehen?”

Heinrich? Das ist also sein Name? Ein Rufname der sich auf dämlich reimt? Wein nicht und lästig?

Sie eilte zu mir und versuchte mich zu befreien.

“Was starrt er dich denn auch so an?” erwiderte Dämlich entrüstet.

Auf ihrem Armband las ich ihren Namen. Und er klang, trotz Einsilbigkeit, so selbstbewußt.

“Salina!” rief Dämlich. ” Was soll das, lass uns gehen, der nächste Bus kommt gleich!”

“Ich kann ihn hier nicht hängen lassen” rechtfertigte sich Salina.

Sam musste dann wohl ihr Freund sein. Und im wahrsten Sinne, hing ich hier wie ein Piel del Toro, herunterhängend, um getrocknet zu werden.

“Ja, sie hat Recht, ich kann hier nicht bleiben!” meldete ich mich zu Wort.

Mit Staubwolken am Heck stoppte der Bus unweit vom Automaten und hüllte uns beide in Staub. Dämlich stieg ein, während sie unermüdlich versuchte meine Hand herauszubekommen.

Sie mag mich (2)

Mit der rechten Hand versuchte ich nun an die letzte Flasche heranzukommen. Während ich nun auf Knien und mit dem Arm tief in die untere Klappe griff, sah ich sie immer noch in der Scheibe. Sie stand wie versteinert da und beobachtete mich, aber eher unauffällig, denn mit dem Finger spielte sie in ihrem kastanienbraunen Haar und verdeckte so ihren Blick. Was ich ihr im Gegenzug anzubieten hatte, war, wie der Franzose sagen würde, le derrière (sprich: löh derri-er). Mein Körper litt unter dem Schweiß, meine Arme waren mittlerweile so nass, dass ich mühelos durch die Klappe zur Flasche gelang. Der Flaschenhals hatte sich mit dem Transportschlitten verkantet. Mit meiner Fingergeschicklichkeit, die ich von meinem Vater geerbt hatte -er war ein grandioser Gitarist von unglaublicher Virtuosität- sollte es eigentlich kein Problem für mich darstellen. Im gleichen Augenblick realisierte ich, dass es sich hier um einen widerspenstigen Getränkeautomaten handelt und nicht um eine Gitarre. Nach zirka drei Minuten Ziehen und Zupfen vermochte ich endlich die Flasche vom Transportschlitten zu lösen. Ich stellte mir vor, wie ich genüsslich, selbst wenn es keine Apfelschorle mit Cassis Flavor war, die eisgekühlte Flasche öffnete und sie an meinen vor Durst sabbernden Mund führte, als ich in diesem Moment das Einwerfen einer Münze vernahm. Hektisch zog ich meine Hand heraus, aber längst hatte der Transportschlitten sich in Bewegung gesetzt und meine vier Finger der rechten Hand erwischt.

Sie  mag mich (1)

Sie mag mich (1)

Drei Groschen hatte ich noch unter dem Mülleimer gefunden. Ich meine natürlich 30 Cent, die mir für die eiskalte Apfelschorle mit Cassis – Geschmack fehlten. Ein kühles Getränk, von dem ich mir Erlösung erhoffte. Denn es war heiß. So heiß, dass jemand von drei Metern Entfernung einen großen Bogen um mich geschlagen hätte, weil dieser sich denken würde, dass diese schwitzende Person auch danach riechen müsste. Es war so heiß, dass man vom Asphalt den Eindruck gewinnen wollte, er schmelze. Als ob flüssige Lava sich unter meinen Füßen ausbreiten würde. Da stand ich nun vor dem Getränkeautomaten, wo sich andere tummelten zum Warten. Es war aber keine klassische Warteschlange eher eine Menschentraube. Drängelnde durstige junge Menschen, die skrupellos ihr Getränk ziehen wollten. Ich wollte mich auf die Bank direkt daneben setzen, um abzuwarten. Aber die war einfach zu heiß, zu sehr von der Sonne aufgeladen worden.

Nach einer Viertelstunde, es kam mir wie eine halbe Stunde vor, war es endlich soweit. Der Bus, der mich nach Bonn bringen sollte, war endlich da. Hab mich aber schnell entschlossen diesen nicht zu nehmen. Vorteil für mich. Die Limo gierige Gruppe verzog sich in den Bus und ich hatte meinen Automaten für mich ganz allein. Langsam aber sicher realisierte ich, dass es keine Apfelschorle mehr gab. Zumindest nicht mit Cassis – Geschmack. Im Radio des Ticket Verkäufers, der sich in seiner gläsernen Sauna mit einem kleinen Ventilator ein Lüftchen durchs Haar schickte, vernahm ich noch, dass es sich dieses Jahr zum wiederholten Male um einen Rekordsommer handelte. Aber das war mir vor zwei Monaten schon bewusst, denn da kam der gleiche Wetterbericht mit ähnlichem Wortlaut: “Dieses Jahr werden mit Rekordtemperaturen gerechnet…” Daher frage ich mich, wieso wurden nicht schon vor zwei Monaten die Getränke – Automaten mit ausreichend Cassis aromatisierte Apfelschorle aufgefüllt? Im Automaten stand eine einsame Flasche. Das Etikett konnte ich nicht richtig entziffern, aber da die letzten Buchstaben nicht mit “-is” endeten, konnte es unmöglich die gewünschte Apfelschorle sein. Ich war sauer. Nicht so verärgert, als wenn ich meine favorisierte Schokolade mit Chili und Ingwer im Onlineshop Schoko – Gourmet nicht mehr bekommen würde, aber ich war relativ schlecht gelaunt.

In der Frontscheibe sah ich dann doch noch etwas. Ein andere Flasche, dessen Label ich auch nicht lesen konnte, denn ein lackierter Fingernagel verdeckte die ersten Buchstaben, aber zumindest waren die Endbuchstaben “-is”. Da die Scheibe aufgrund des Kondenswassers beschlagen war, wischte ich mit meinem verschwitzen T – Shirt nochmal den Beschlag weg, um sicher zu gehen. Ja, auch wenn es nur eine Spiegelung war, es war eine Flasche Apfelschorle mit Cassis Geschmack in den Händen eines weiblichen Geschöpfes.

Ich drehte mich um. Sie lachte mich an, so gut wie man es mit einem Trinkhalm im Mund vermochte. Ich begann nachzudenken, wieso sie meint mir ein Lachen zu schenken? Reiß dich zusammen, dachte ich mir. Jetzt keine Schwäche zeigen, sondern schnell die letzte Flasche ziehen. Ich kann nicht ohne Getränk, ohne etwas in der Hand, vor ihr stehen. Wie sieht das denn aus? Sie mit meinem Lieblingsgetränk und ich?

Sie mag mich (2)

In einem Wiener Cafehaus … Du musst singen!

Wiener Cafehaus

Kurzgeschichte: In einem Wiener Cafehaus...

Willkommen bei blankespapier, Herr Glavitza. Ihnen und auch den anderen Schreibern ein frohes und ergiebiges Jahr 2012 mit vielen neuen Ideen literarischer Natur!

Ich weiß nicht, gnädige Frau, hatte ich es heute schon mal erwähnt? Ich lerne ab morgen singen. Es muss im Wintergarten des Cafe Landtmans neben dem Wiener Burgtheater gewesen sein, als mir bei einem Großen Braunen und einer Buttersemmel, ausdrücklich mit Butter dünn bestrichen, ich erwähne das deshalb, weil die nur mangelhaft ausgebildeten Kellner einfach nicht mehr in der Lage sind, meine Order ordnungsgemäß an die Küche weiterzugeben und dort – ach, sie kennen doch die Probleme heutzutage im Gastgewerbe, nirgendwo gibt es noch adäquates Personal, niemand will heutzutage mehr in den so genannten Dienstleistungsbetrieben als so genannter Dienstleister arbeiten! Jeder will heutzutage möglichst viel verdienen – aber nur wenig dazu leisten. Jeder steht unter dem Joch der Raffgier – mehr, mehr – sie können ihren Hals nicht vollkriegen, diese Leute, wie schon meine Mutter immer wieder sagte.

Er richtet sich auf, reckt den rechten Arm steil nach oben und richtet dabei den Zeigefinger gegen den Himmel

Niemand will mehr etwas leisten, schöpferisch tätig sein. Dabei ist gerade die Herstellung einer Buttersemmel, einer einfachen, simplen Buttersemmel, so einfach, Herrgottnocheinmal! Man will doch nicht mehr vom Leben. Nur eine Buttersemmel! Jawohl, gnädige Frau, eine einfache Buttersemmel. Mehr nicht. Und was bekommt man – natürlich mit Verspätung? Lange nachdem der Große Braune serviert war – und man in der Zwischenzeit den Großen Braunen bereits ausgetrunken hatte? Ja, und was bekommt man mit großer Verspätung, gnädige Frau? Eine unaufgeschnittene Semmel und ein steinhart gefrorenes Stück Butter! Daneben, natürlich lieblos am Teller ein stumpfes Messer, sogar ohne auch nur einer Spur einer Sägeverzahnung an der Schneide. Ich frug neulich den Kellner, warum er mir nicht gleich zur Semmel ein Meißl lieferte? Er blickte mich naturgemäß blöde an – ja, gnädige Frau, der gute Mann hatte mich in Wahrheit gar nicht verstanden. Wie soll er mich auch verstehen? Ein eben erst zugezogener Schafhirte aus dem albanischen Hochland kann einen nicht verstehen und von einer Buttersemmel kann er doch überhaupt gar keine Ahnung haben.

Der Herr, winkt mit seiner Hand ab, lacht dabei laut auf, lehnt sich zurück und atmet tief ein und dann aus. Einerseits klingt es wie das Pfeifen eines kochenden Teekessels, andererseits wie das Seufzen eines Walrosses.

Ja ja, die Buttersemmel! Dabei ist es doch so einfach! Ich versteh das nicht. Lernen die jungen Köche heutzutage nicht mehr, wie man eine Buttersemmel macht? Stell´n sie sich folgenden Skandal vor! Es muss drei oder vier Jahre her sein, als ich das letzte Mal im Cafe Sacher war. An einem sonnigen Nachmittag, nach einem Spaziergang von „Am Hof“ kommend, vorbei am „Kameel“, dann am Graben ein Blick in die Auslagen beim Hübner, ob schon die neuen Longines da wären – ich bin ein Liebhaber von Longines Uhren, müssen sie wissen, gnädige Frau – habe sogar eine kleine Sammlung zu Hause, muss ich gestehen, dann an der Ecke beim „Stock im Eisen“ nach rechts in die Kärntnerstraße zum „Prachner“ und schmökerte dort in der neuesten Sekundärliteratur über Gerhard Fritsch. Ein Autor übrigens, den ich ihnen gnädige Frau, nur dringest empfehlen kann. Einer der bedeutendsten Dramatiker dieses Landes. Tja, dann natürlich ein Sprung in den EMI-Plattenladen – Keith Jarrett hat Mozarts Klavierkonzerte eingespielt. Also das Adagio im Köchelverzeichnis vierhundertsechsundsechzig, gnädige Frau – also das Adagio! Einfach großartig! Kennen sie das Adagio – Köchelverzeichnis vierhundertsechsundsechzig – oder das grandiose Adagio aus dem Köchelverzeichnis vierhundertsiebenundsechzig?

Er beugt sich nach vor zu ihr, runzelt die Stirn, presst die Lippen aufeinander und nickt mehrmals.

Ja, und dann weiter zum Sacher. Und nun – gnädige Frau, und nun – ich war natürlich von diesem langen Spaziergang erschöpft und wollte nun bei einem Einspänner und einem Butterbrot mit Schnittlauch zur Ruhe kommen. Ich bestellte also – ja, ich bestellte sogar bei meinem Lieblingskellner, das Butterbrot mit Schnittlauch! Das war ja gerade der Skandal! Und was bekomme ich? Und was bekomme ich, gnädige Frau? Was bekomme ich? Einen Anschnitt! Einen alten, harten Anschnitt! Ich hab dem Kellner nichts gesagt, hab das Brot still und bescheiden, in mich gekehrt runter gegessen, bezahlt – natürlich nur wenig Trinkgeld gegeben und bin gegangen. Seit dieser Katastrophe hab ich mir jeden Besuch, ja, sogar jedes Denken an das Cafe Sacher, an das früher von mir so geliebte Cafe Sacher, verboten!

Der Herr lehnt sich wieder zurück. Sichtlich erschöpft von seiner Erzählung und nickt mehrmals stumm vor sich hin.

Und erst neulich, sie werden es nicht glauben, habe ich beschlossen das Singen zu erlernen. Am Nebentisch im Wintergarten des Cafe Landtmans saß ein Mann und las im „Standard“. Ich beobachtete ihn eine Weile. Da ich vor ihm den „Standard“ gelesen hatte, wusste ich genau welche Artikel er gerade las. Ich beobachtete genau seine Reaktionen. Wie er seine Stirne runzelte, dann wieder entspannte. Seinen Kopf interessiert nach vor beugte, dann wieder desinteressiert zurücklehnte, still den Kopf schüttelte und so fort und so weiter. Seine ablehnenden Gesichtszüge, als er über unsere Politschwadroneure und Glücksritter im Parlament las, über die korrupten Banditen in der Ruprik Auslandpolitik. Rasch den Lokalteil einfach überblätterte, dann bei den Seiten des Wirtschaftsteils den Kopf schüttelte. Wahrscheinlich hatte er wie ich bei diesem Thema an Brecht gedacht, der sagte: Was ist schon ein Banküberfall gegen die Gründung einer Bank! Hahahaha!

Er lacht laut auf und blickt sich um, ob noch jemand sein Lachen mitbekommen hatte.

Ich beobachtete ihn noch ganz genau, als er auf dem Kulturteil landete. Minutenlang studierte er den Artikel über Brendels Interpretation der „Goldberg Variationen“. Nahezu ebenso lang studierte er die Kritik über Gerd Voss „King Lear“ im Burgtheater. Und ich spürte förmlich seine Zustimmung zur Meinung des Kritikers, denn auch ich fand, dass Voss den „Lear“ etwas überspielte – und auch sprachphonetisch nicht absolut fehlerlos war. Voss ist eben auch nicht mehr der Voss der frühen Peyman Jahre! In letzter Zeit überspielt er nur noch! Überspielt seine Fehler. Sein Nachgeben gegenüber seinem Alter – aber auch seiner eigenen Überschätzung, Größenwahn, wie alle großen Mimen, nachdem sie älter geworden sind und der Selbstherrlichkeit anheim fallen! Tja, gnädige Frau, wir alle sind nicht mehr wir der früheren Jahre. Auch wir fallen der eigenen Korruption zu Opfer. Korrumpieren uns im eigenen Größenwahn, suhlen uns in Zufriedenheit und sind längst nicht mehr der kritische Geist, der wir einst waren. Und keine Stunde – ja, keine Minute, Sekunde versäumten wir damals, um an unserer Kunst zu arbeiten, immer wieder dieselben Sätze deklamierend, an kleinen und kleinsten Details feilend – und auch mit dem Meisterwerk, trotz tosenden Beifalls und so genannter „standing ovations“, uns niemals zufrieden gaben. Gleich nach der Vorstellung uns wieder in unser Kellerverließ zurückzogen, um an unserer Kunst zu arbeiten – um dem Dilletantismus zu fliehen! Das war es, gnädige Frau! Allein, das war es!

Der Herr nickt stumm vor sich hin. Richtet sich dann wieder auf und sagt dann weiter

Und wie ich diesen Herrn am Nachbartisch so beobachte, fallen mir seine Ohren auf. Und denke: Ja natürlich, diese Ohren! Und blicke mich im Wintergarten des Cafe Landtmans um und zähle so an die siebzehn Menschen, die sich ebenso wie ich im Wintergarten entspannten, von den Strapazen des Lebens erholten und dachte, jeder dieser siebzehn Menschen besitze Ohren. Das heißt, dass jetzt hier im Wintergarten des Cafe Landtmans grob gerechnet ungefähr vierunddreißig Ohren wären. Und extrapoliere meine Überlegungen auf die Stadt Wien. Zweieinhalb Millionen Menschen. Das ergäbe doch fünf Millionen Ohren! Möglicherweise lebten hier einige mit abgeschnittenen Ohren oder überhaupt so genannten ohrenlosen Köpfen. Diese Zahl wäre aber eher zu vernachlässigen, wie ich dachte und sagte mir, dass es in Wien sicherlich so zwischen vier Millionen und siebenhunderttausend und fünf Millionen Ohren geben müsste. Mehr als fünf Millionen sicher nicht, da es mit größter Wahrscheinlichkeit kaum Köpfe mit drei Ohren gäbe. Auf das ganze Land gerechnet, kam ich sogar auf rund fünfzehn Millionen Ohren. Und dann – ja, dann, gnädige Frau, extrapolierte ich die gesamte Welt auf die mögliche Menge der Ohren und kam auf – ja, ich kam auf – stellen sie sich vor, gnädige Frau – ich kam auf – ungefähr hochgerechnet natürlich, auf vierzehn Milliarden Ohren, gnädige Frau!  Vierzehn Milliarden! Stellen sie sich das einmal vor, gnädige Frau. Vierzehn Milliarden!

Der Herr richtete sich auf und reckte den rechten Arm und den Zeigefinger steil gegen den Himmel und wiederholte mit lauter Stimme

Vierzehn Milliarden Ohren! Vielleicht um eine Spur weniger – abgeschnittene Ohren, Missgeburten und so weiter, sie wissen schon, gnädige Frau. Und da sagte ich mir -

Er atmet wieder tief ein und aus, nickt mehrmals stumm und spricht erst nach einer längeren Pause weiter

… sagte ich mir: Julius, du musst singen lernen! Vierzehn Milliarden Ohren – vierzehn Milliarden Ohren wollen dich singen hören!

© Erich Glavitza, Januar 2012