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Ins Sprichwort gefallen

Ins Sprichwort gefallen, verfasst von Die dritte Person, Vielen Dank!

Schuster bleib bei deinen Leisten,
so sehen das die Meisten.

Jeder kehrt vor seiner eigen Tür,
und ich schäme mich dafür,
dabei zu sein, in diesem humankapitalistischen System,
wer nichts leisten kann muss gehn.

Sie sind zufrieden mit der Taube in der Hand,
Spatz, bleib lieber auf dem Dach.
Den Blick stehts vor die Schuh’ verbannt,
obwohl die Sonne so schön lacht.

Was lange währt wird endlich gut,
und die Zuversicht nimmt ihren Hut.
Über Langeweile will auch keiner klagen,
Gut Ding will ja auch Weile haben.

Die Meisten sind nur froh,
dass Schweigen Gold entspricht.
Sprechen einfach so
das geht doch nicht…

Diese Welt ist alles andere als im Lot,
und trotzdem glaube ich dieses Leben vor dem Tod.

© Die dritte Person

Mehr Gedichte von Die dritte Person

Heute Nacht brennt Tottenham

Getextet von Die dritte Person

Heute Nacht brennt Tottenham

Zwei Kinder haben keinen Vater mehr, ein Ehemann ist tot.
Wir sind empört und voller Wut, ein ganzer Stadtteil, der sieht rot.
Auch wenn wir die Hintergründe gar nicht kennen,
heute Nacht brennt Tottenham…

Die Fenster springen, die Scherben bleiben liegen,
in Tottenham ist auch nichts heil geblieben,
Und wenn die Polizei kommt schlagen wir noch Fester,
heute Nacht brennt Manchester…

Es gibt kein “Du” und “Ich”, es gibt nur noch ein “Alle”,
unser Hilfeschrei sind sinnlose Krawalle.
Wir können Wut und Tobsucht nicht mehr trennen,
heute Nacht brennt Burmingham.

Die Menschen auf den Straßen, wozu weis keiner mehr,
Wieso? Weshalb? Warum? Ein Land ertrinkt im Pflastersteinemeer.
Der Mob regiert, es hat noch immer keiner nachgedacht,
London brennt noch einmal, heute Nacht…

© Die dritte Person, 10. August 2011

Selig sind die geistig Armen

Selig sind die geistig Armen, Erzählung von Die dritte Person

Der Blick aus meinem Fenster verheißt mir einen weiteren so typischen deutschen Morgen, das Grau des Asphalts geht nahezu nahtlos in das Grau der Fassade des Betonriesen auf der anderen Straßenseite und von dort wiederum in das Grau des Wolkenbreis am Horizont über. Mein erster Gedanke an diesem Tag bringt mich zu der Erkenntnis, dass die nunmehr einige Jahre lange Reise auf der Suche nach dem ‘Ich’, mich auch heute wieder in eine Sackgasse führen wird. Das Wetter lässt mich ein wenig lethargisch werden und ich frage mich, ob grauer Brei am Himmel wohl bei allen Menschen depressive Grenzerfahrungen hervorruft.
Vor dem Haus steht das getunte Audi Cabrio meines Nachbarn. Auch bei ihm wird das Wetter schlechte Laune hervorrufen, denn er wird auf der Fahrt zur Arbeit das Verdeck wohl heut geschlossen halten müssen. Er ist ein unkomplizierter Mann, der jeden Morgen an den ihm von der Gesellschaft zugeordneten Arbeitsplatz geht um dort seinen Beitrag zum Erhalt der Marktwirtschaft zu leisten. Seit kurzem lebt er allein, denn als seine Freundin schwanger wurde und ein Kind von ihm erwartete fühlte er sich vermutlich zu sehr eingeengt. Vielleicht ist diese innige Beziehung, aus der ein kleiner Junge als Beweis der Liebe hervorging aber auch über der Frage zerbrochen, ob ein Kombi nicht vielleicht ein praktischeres Familienauto wäre, als ein getuntes Audi-Cabrio. Trotz dieses Rückschlages macht mein Nachbar einen fröhlichen Eindruck, als ich ihn zwei Zigaretten und eine Dusche später im Treppenhaus treffe, wieso auch nicht? Er hat sein Leben schließlich im Griff, feste Arbeit, Wohnung, Auto und einen nichtehelichen Sohn, der allein bei der Mutter aufwachsen wird. Da ein Audi Cabrio kein besonders gutes Gefährt ist, um sich auf die Suche nach dem ‘Ich’ zu begeben sind die einzigen schwerwiegenden Überlegungen, die mein Nachbar heute anstellen wird, welche Felgen wohl am besten zu seinem Wagen passen. Ich beneide ihn um das, was er als “Probleme” deklariert…

© Die dritte Person, 3. Aug. 2011